Das TOUR Magazin hat seiner April-Ausgabe ein Spezial beigelegt: 32 Seiten für Frauen. Die Lektüre des schmalen Heftchens – Tests von Rädern verschiedener Preisklassen, Klamotten-Ratschläge, von Tiffany Cromwell vorgeturnte Stabi-Übungen – ließen mich in schaler Ratlosigkeit zurück, und ich fragte mich, was damit nicht stimmte, abgesehen von dem Titelbild, das ich, mal deutlich gesprochen, von erlesener Blödheit* finde.

„Was will das Weib“, fragt sich TOUR im Vorwort, wenn auch man sich weniger freudianisch direkt ausdrückt, sondern das Anliegen leicht verniedlicht in das Motto von Mel Gibsons Film „Was Frauen wollen“ übersetzt. Um sich dies sogleich selbst zu beantworten: Ungefähr das gleiche wie der Mann, zumindest auf dem Rad – fit sein, gute Ausrüstung, Gleichgesinnte.

Mit dem Heft seien die wichtigsten Voraussetzungen dafür abgedeckt, und so erklärt sich der Inhalt: Rädertest, Klamottenempfehlungen, Ausgleichssport; TOUR spult im Extraheft sein übliches Programm ab, serviert mit einem höherem Rosa-Anteil und mit ein paar Frauen als Testimonials.

Und was ist jetzt mein Problem?

Persönlich pflege ich ja einen Glauben an einen handfesten Unterschied zwischen den Geschlechtern, der heute irgendwie nicht mehr opportun ist. In diesbezüglichen Diskussionen empfange ich immer wieder eine geradezu aggressive Humorlosigkeit, die ich in meinen privilegierten Lebensumständen wohl nur nachvollziehen kann, wenn ich, selbst an den Rand gedrängt, im Sonntagnachmittags-Verkehr des Mühlenbecker Lands anfange, die Autofahrer zusammen zu brüllen, wie man das sonst nicht von mir kennt.

Auf dem Rad finde ich die Gleichstellung der Geschlechter allerdings völlig in Ordnung, ist die Frau technisch besehen dort ja nichts anderes als ein im Durchschnitt kleinerer Mann.

Nicht in Ordnung, weil nicht glaubwürdig, ist für mich, wenn eine Frau über ein Rad Aussagen trifft wie „bis ins Detail schlüssig“, oder „toller Komfort“. Ich möchte dem TOUR Magazin gegenüber nicht undankbar erscheinen; sicher steckt eine riesige Mühe darin, all diese Räder zu testen und zu jedem einzelnen eine Haltung zu entwickeln. Aber in der Bewertung, da fehlt mir die weibliche Variation. Und auf diese darf ich doch hoffen, wenn schon Sandra und Annina die Räder testen?

Anderswo finde ich sie. Etwa in der selbst gebastelten Beinkleider-Testreihe Geht in die Hose der Radflamingos. Oder bei der hochverehrten Emily Chappell, wenn sie zwischen ihren Betrachtungen diverser Langstreckenunternehmungen von Wattestäbchen fantasiert (und mir Trost darin gewährt, dass ich wohl niemals meinen Freudinnen beichten kann, wie wenig Wechselwäsche ich wirklich auf die fünftägige Radtour durch Sardinien mitzunehmen gedenke).

Oder bei Frau Winck, die mich gleichermaßen in Vorfreude und Anspannung angesichts ihrer wahnwitzigen Touren mitnimmt und dabei doch ganz normal bleibt (ja gut, Superwoman-normal). Nicht zuletzt im entzückenden Hinweis, nochmal von den Radflamingos, auf männlichen Technik-Konsum-Spaß in der aktuellen Buchbesprechung (ich werde noch sehen, was ich von meinem wissenden Grinsen habe. Sobald ich im dunklen Wald stehe, ohne Feuerwolle.)

Vielleicht geht es auch gar nicht um etwas ausgesprochen „Weibliches“. Vielleicht geht es darum, dass sich all das für mich echter und näher dran an dem liest, was wirklich Phase ist auf dem Rad. Dass Männer dies genausogut ausdrücken können, ist ja mehr als klar, deswegen lese ich deren Blogs.

Und das ist am Ende möglicherweise genau das, was mich an dem Spezial für Frauen stört: Zusammen mit dem Heft sehe ich mich in die Schublade dessen gestopft, was die TOUR-Redaktion mit Frauen verbindet.

Denn ja, ich möchte keine 78 technischen Details erörtern, bevor ich ein neues Rad erstehe. Aber zum einen mag das für andere Frauen ganz anders sein, zum anderen heißt es nicht, dass man mir sämtliche radfahrerischen Bereiche erklären muss, als kippte ich dauernd mit den Klickpedalen um (auch so ein saublödes Klischee, das immerhin ausgespart wurde).

Teurere Räder seien meist leichter, und ein Helm sollte nicht drücken. Warum das Heftchen nicht gleich „Spezial für Anfänger“ nennen? Da könnte auch der betroffene Mann das ein oder andere Nützliche rausziehen.

Räder für Frauen könnte TOUR grundsätzlich zusammen mit den herkömmlichen Rädern vorstellen, oder explizit darauf hinweisen, wenn eine Marke sehr unterschiedliche Größen anbietet.

Und mit den ganzen Besonderheiten für kleine Menschen auf dem Rad, von den Möglichkeiten bei Rahmen über Bremsgriffe und Fahreigenschaften bis hin zu den Einschränkungen bei anzubauendem Gepäck ließe sich wahrscheinlich sowieso ein komplettes Spezial gestalten. Das überließe dann jeder Person selbst, ob sie in diese Schublade klettern möchte.

Wenn das TOUR Magazin so etwas mal ausprobiert, da bin ich dabei. Und zwar ganz unaggressiv humorvoll. Echt jetzt.

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Und hier noch für alle mitlesenden Technik-Konsum-Spaß-Männer ein Spezial in 13 Worten: Das Gravel-Rad soll Ende kommender Woche fertig werden. Yippie yah yay, Schweinebacke.

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* Frau U. aus K. zum besonderen Gruße!