Urlaub, ohne Rad, erneut, aber mit Rad im Kopf. Passenderweise hatten wir dieses Mal Schottland ausgewählt. Mir passte auch der Zeitpunkt. Nach den glanzvollen Erlebnissen der letzten Monate nicht zurück ins alte Revier müssen, wo ich wie im letzten Jahr mitten im Sommer der schlichten Orte Wesendahl und Börnicke überdrüssig wäre. Stattdessen: Schafe.

50 Millionen soll es in Schottland geben, zehnmal mehr als Einwohner. Ungefähr der Hälfte von denen hatte ich zugewunken, wie ich da so an der M8 stand mit meiner orange Plastiktüte, kurz hinter Glasgow, lebendes Warndreieck, ein anderes gab es nicht im Mietwagen, und sie auf die rechte Spur verwies, während M. den geplatzten Reifen wechselte. (Wieso dauert das so, fragte ich mich. Am Rad braucht er dafür doch keine zehn Minuten. Ohne Wagenheber, gab es nämlich auch nicht im Mietwagen, war das nun aber nicht so einfach.)

Unnötig zu erwähnen, dass in so einem Moment Radfahren erneut sehr viel sinnvoller erscheint. Und wenn das gerade nicht geht, kann man ja immer noch notieren, was nützlich erscheint, für die, die bald von London nach Edinburgh und zurück fahren. Wenn man schon nicht dabei ist.

Die meisten winkten auch zurück. Freundliche Menschen. Fahren so langsam, dass sie Zeit haben, die Situation zu erfassen und zu winken. Verkehr war also schon mal nicht so hektisch, nicht mal auf der Autobahn. Und sonst?

Orientierung auf der Straße

In Großbritannien fährt man links (und schaltet zumindest im Auto links), das ist ja nun bekannt und trotzdem gar nicht so einfach. Ich würde sagen, wenn man sich nach einer Rechtskurve immer noch auf der linken Fahrbahnseite befindet, hat man es geschafft. Und während man da so vor sich hin koordiniert, nicht vergessen, dass die Straßenschilder Entfernungen in Meilen angeben.

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Auf den Schildern sieht man außerdem Städte- und Straßennamen hin und wieder in Klammern angegeben, was anzeigt, dass man schon in die richtige Richtung fährt, die Straße vor dem Ziel aber noch mindestens einmal wechseln wird.

Internet im Pub und beim Einkaufen

Tatsächlich hatten wir mit O2 die meiste Zeit nur GPRS oder Edge, 3G war schon ein Glücksfall in kleineren Städten.

Hilfe in der Not: Wo es Essen gab, gab es Wifi. Vom Pub bis zum einfachen Bäcker mit drei Stühlen um einen Tisch haben wir fast immer kostenloses W-Lan vorgefunden. Einige Male waren die Wände mit den Zugangsdaten plakatiert, anderswo spielt man eine Weile “Wo ist das Passwort” oder bekommt es auf Nachfrage hin über die Theke gereicht. Gut übertragen hat es immer. Eine Legner’sche Pause (ordentliche Mahlzeit aus zwei Gängen und Espresso statt Stulle im Stehen vorm Supermarkt) kann sich also doppelt lohnen, zumal in den Pubs richtiges Essen serviert wird (Steak and Ale Pie ist eine Art Gulasch unter einer Teighaube, gern mit Kartoffelpüree, sehr lecker und deutlich weniger fettig als die allgegenwärtigen Burger und Fish and Chips).

In einigen größeren Supermärkten gab es ebenfalls Wifi, zum Beispiel bei Tesco, laut Anbieter nach Registrierung mit der Emailadresse auch mit automatischer Verbindung in allen anderen Tesco-Filialen, was ich allerdings nicht nachstellen konnte.

Wir haben nirgendwo gefragt, ob wir unsere Telefone auch hätten einstöpseln dürfen. Wer das tun möchte: Adapter einpacken! Irgendwie reinfriemeln war nicht.

Apropos Essen

Im Supermarkt gibt es mit allem möglichen belegte Sandwiches, allein das schlappe Toastbrot hing mir schnell zum Hals raus. Wer Brot ohne Belag kauft, ist für unseren Gewohnheiten unter all den Rolls und Buns mit Tiger bread noch am besten beraten, das hat eine etwas festere Kruste (angeblich mit Sesam-Öl gebacken).

Gut für einen Energieschub fand ich Scones, diese etwas trockenen Gebäckstücke, die wirklich am besten mit der dazu servierten Clotted Cream und Marmelade zu essen sind, und die süß-salzigen Oatcakes von den Orkneys (leider etwas zu krümelig für die Mitnahme in der Trikottasche). Beides ist nicht so süß und schien mir bekömmlicher als die übliche Kuchenschoki-Arie.

Irn bru, diese orange Limo, die optisch was von einem Elektrolyt-Getränk hat, kann man dagegen getrost im Regal stehen lassen. Es sei denn, man steht auf Hubba Bubba.

Persönlich würde ich mich unterwegs von Cadbury Oreo Mint Flavour Schokolade ernähren. Das war so ein Gefühl wie Schokolade essen und sich dabei schon die Zähne geputzt zu haben. Nach zehn Tagen war es auch mir genug, aber in der Zeit werden die verehrten Leser die Strecke ja bewältigen.

Regen, Mücken, sonstige Nöte

Zum Wetter kann man nach zwei Wochen ja nun nicht so viel sagen, aber eines stimmte, was der Reiseführer uns versprochen hatte: Es regnete, aber es wechselte, es blieb nie lange schlecht. Und es gab bei den Wetterumschwüngen keine starken Temperaturschwankungen, auch nicht zwischen Tag und Nacht.

Regen und Wind hilft außerdem gegen die gefürchteten winzigen Mücken, die sogenannten midges, die sich gern um den menschlichen Kopf versammeln. Wir hatten damit kein Problem, haben aber recht viele Camper gesehen, die grundsätzlich mit Komplettnetz ums Gesicht über den Zeltplatz liefen. Das sah offen gesprochen etwas gestört bis unheimlich aus und sollte auf dem Rad nicht nötig sein. Aber es gibt sowas, ich meine ja nur.

Erstaunlich gut ausgerüstet waren alle Zeltplätze, sollte jemand unterwegs in irgendwelche spontanen Nöte kommen. Es gab Klopapier, Seife mindestens am Waschbecken, oft auch in der Dusche, und in den Damentoiletten auch immer einen Haarfön. Man weiß ja nie.

Und falls alles nichts hilft: Alkohol kann man erst nach 10 Uhr morgens käuflich erwerben. Dafür gibt es Ibubrofen (200), Paracetamol (500) und Co. (nicht dass ich es gut heißen würde!) in jedem Supermarkt.

Aber das wird ja niemand der verehrten Starter brauchen. Und im Zweifelsfall hält irgendwann sowieso ein Schotte mit Wagenheber an.

Ich wünsche allen LEL-Startern gute Fahrt, den Wind im Rücken und viel Freude mit den den unglaublichen Farben in dieser Gegend!