Ich weiß, ich bin total falsch in der Zeit. Festive 500*, was war das nochmal? Interessiert Mitte Januar keinen Menschen mehr. Erst wenn die Aufnäher im Postfach landen, wird wieder kollektives Erinnerungs-Seufzen über sämtliche Timelines rattern.

Meine Festive Kilometer in 2017 jedenfalls begannen etwas mürrisch, weil ich den mir hingeworfenen #inonego-Handschuh am Ende doch nicht aufgenommen habe. Den ganzen Dezember aufs Wetter geschielt, immer schön raus in die Kälte. Aber ich habe gefroren, das wollte einfach nicht besser werden, und dann auch noch 16 Stunden Dunkelheit. Das ist wohl einfach nichts für mich. Noch.

Aus Trotz beschloss ich, dann werden es wenigstens Festive 630, die letzten Tausend Jahreskilometer vollmachen, sehr wichtig. M. als geübter Rennrad-Witwer hat mich bestens unterstützt, etwa in der Küche, oder beim vorbereitenden Material horten im Fahrrad-Discounter. “Einkaufen mit Subway-Gestank”, wie M. das gerne nennt.

Mitgefahren ist er auch, am zweiten Feiertag in den Norden. Zu kalt für Fotos, dafür eine Weihnachtsbockwurst in der Liebenwalder Tanke. Festtagsbraten, die romantische Version.

Osten, Norden, Westen, Süden, in dieser Reihenfolge. Kalte, einsame Stunden auf dem Rad durch die ausgeblichene Landschaft. Kleine stille Seen in Brandenburg. Gänse in Formation vor dem rosa Abendhimmel. Ein einziges verfluchtes Landkreisschild auf 500 Kilometern! Und ein freundlicher SUV-Fahrer, der wissen wollte, ob ich Hilfe bräuchte, wie ich da so mein Brötchen mümmelnd in der Dämmerung am Straßenrand stand. Um Weihnachten herum sind sie dann doch alle nett.

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Und viel Zeit, um über 2017 nachzudenken. Ein Jahr mit so großartigen, anstrengenden, erhebenden Kilometern, das ich es gar nicht in ein paar Worte pressen möchte.

Vor allem aber habe ich einen Haufen neuer Menschen getroffen. Einige kannte ich nur vom Bloggen. Oder die mich. Manche haben mir einfach so geschrieben. Sogar eine Postkarte habe ich kürzlich bekommen! Und erstmal eine Weile gegrübelt, von wem die eigentlich ist. Jedenfalls, ich fahre so viel allein, manchmal weiß ich gar nicht warum. Es gibt wirklich viele nette Leute auf dem Rad.

Besonders schön fand ich es jedes Mal, wenn sich jemand irgendwie mitgenommen fühlte von meinen Berichten. Und sich die Mühe machte, mich das wissen zu lassen.

Ich erwidere dann immer sowas wie: Danke, das freut mich. Aber was ich eigentlich meine, ist: Ich freue mich ganz unbändig! Sprache ist in meinen Augen dafür da, Menschen im Geiste miteinander zu verbinden. Wenn das hier ein klein wenig passiert, hat sich schon alles gelohnt. Das wollte ich Euch unbedingt noch sagen, auch wenn ich so spät dran bin.

13.018 Kilometer waren es also am Ende. Letzte Tausend voll, dann noch zurück in die Stadt, durch dunklen Wald und all die abgefahren Weihnachts-beleuchteten Berliner Vororte. Absteigen, Auftauen, Füße hoch. 2017 fertig.

Mal sehen, was wir in diesem Jahr Schönes machen.

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Meine Festive 500-Strecken auf Komoot 

*Für die Nichtradler: Festive 500 ist eine sogenannte Challenge einer bekannten Radklamotten-Marke. Sie besagt, fahre 500 Kilometer zwischen dem 24. und 31.12.. Als Anerkennung bekommt man einen Stoff-Aufnäher. Aber viel bemerkenswerter ist, dass man sich die ganzen Feiertage über wie bekloppt mit Plätzchen und Co. vollstopfen kann und das so ziemlich folgenlos bleibt.

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Seepferdchen 2017, geklaut von der Rapha-Website